Gemeinsame Veranstaltung der NABU-Gruppen Rennerod und Bad Marienberg


Zugvögeln helfen und Weltnaturerbe bewahren

 

 

Bernhard Walter, Leiter der Biologischen Station Gütersloh-Bielefeld

 

präsentiert das Naturschutzengagement des NABU in Afrika

 

 

am 12.April 2019 um 19 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus,

 

Schulweg 12, 56472 Nisterau

 

 

Ursprünglich war geplant, dass Werner Schröder, Sprecher des NABU-Bundesfachausschusses Internationales, den Vortrag hält. Wegen dringender Verpflichtungen in Kenia musste er absagen.

 

Der unten stehende Ankündigungstext des NABU Rennerod bezieht sich noch auf Herrn Schröder.

 

Zum Vortrag über artenreiche Wiesen im vorigen Jahr waren viele Landwirte und Naturinteressierte gekommen. Umfangreiche Biotoppflegearbeiten wurden umgesetzt, um die Lebensräume der gefährdeten Wiesenbrüter zu verbessern. In den nächsten Wochen kehren diese Vögel ebenso wie Storch, Kuckuck, Schwalbe und Mauersegler aus Afrika zurück. Wie sind dort die Lebensbedingungen?

 

Werner Schröder mit langjähriger Arbeitserfahrung im internationalen Naturschutz erklärt:

 

Die biologische Vielfalt ist weltweit durch nicht nachhaltige Landnutzung und Lebensstile in ihrem Bestand gefährdet. Gut 80% der Menschen in sogenannten Dritte Welt Ländern sind direkt von ökosystemaren Dienstleistungen der Natur abhängig. Sauberes Wasser, gesunde Böden, Bestäubungsleistungen von Insekten, tierische Proteine aus Fisch und Wild, Baustoffe und vieles mehr!

 

Viele Staaten Afrikas durchlaufen gerade einen dramatischen Wandel ihrer Gesellschaften.

Entwässerung von Feuchtgebieten, unnachhaltiger Waldeinschlag, großflächige intensive Landnutzung, Einsatz von Agro-Chemikalen, Straßen- und Siedlungsbau haben insgesamt einen negativen Einfluss auf die heimische Flora und Fauna. In vielen afrikanischen Staaten haben sich Naturschutz- und Umwelt NGOs gebildet, die versuchen diesem negative Trend entgegenzuwirken.

 

Im Vortrag stellt Werner Schröder beispielhafte Projekte mit den Menschen in Afrika vor und zeigt uns Bilder beeindruckender Naturlandschaften mit einer reichen Tierwelt:

die letzten Berg-Regenwälder Äthiopiens, Heimat der Kaffeepflanze, der Küstentrockenwald Kenias Arabuko-Sokoke mit Waldelefanten und der Tanasee mit Kronenkranichen.

 

Als deutscher Partner von BirdLife International unterstützt der NABU seit dem Jahr 2000 Partnerorganisationen in Afrika bei der Umsetzung von Naturschutzprojekten, bei politisch-gesellschaftlicher Lobbyarbeit und Bildung. Mit Mitteln des NABU wurde ein Elefantenaktionsplan für den Arabuko-Sokoke-Wald erarbeitet, der nun umgesetzt wird. Ausbildung von Naturführern, Einkommen schaffende Maßnahmen und Ökotourismus sollen den Einheimischen die Schutzwürdigkeit dieses einzigartigen Waldes verdeutlichen.

 

Gemeinsam mit der Äthiopischen Regierung hat der NABU zwei Biosphärenreservate Kafa und Yayu eingerichtet, die durch die UNESCO 2010, anerkannt wurden. Ziel ist der Schutz der letzten Bergwälder in Äthiopien.

 

Gemeinsam mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) baut die Michael Succow Stiftung in enger Zusammenarbeit mit der äthiopischen Regierung seit 2014 im Gebiet des äthiopischen Tanasees ein weiteres UNESCO-Biosphärenreservat auf. In den Feuchtgebieten des Tanasees leben viele bedrohte Zug- und endemische Vogelarten, deren Habitate durch Bewässerungslandwirtschaft und intensive Viehwirtschaft gefährdet sind. Außerdem sind in Folge jahrhundertelanger Entwaldung nur noch kleinste Reste von Primärwäldern erhalten geblieben, in denen es letzte Wildkaffeebestände gibt. Erosion und Düngereinsatz führen zu starker Sedimentierung und Nährstoffbelastung des Tanasees, wodurch die Fischereiwirt-schaft beeinträchtigt wird. Diese alte Kulturlandschaft ist von jahrhundertealten Klöstern und Kirchenanlagen auf Inseln am Tanasee geprägt, die neben den Nilfällen und dem Tana- see selbst Anziehungspunkt internationaler Touristen sind. Das große ökotouristische Potential, die traditionelle Landnutzung und das Interesse äthiopischer Stakeholder bieten einen guten Ausgangspunkt für die Entwicklung zum Biosphärenreservat.

 

Im kenianischen Hochland setzt sich der NABU gemeinsam mit lokalen Naturschützern für den Schutz des endemischen Zitronenpiepers ein, dessen Lebensraum durch Grünland-umbruch in rasanter Weise im ganzen Land schwindet.

 

Mit Hilfe des NABU wurde in Kenia nach 40 Jahren das erste Mal wieder ein Monitoring des Grauen Kronenkranichs durchgeführt, der in diesem Zeitraum um ca. 70% abgenommen hat. Entwässerung und Umwandlung von Feuchtgebieten in Ackerland, Wilderei und Handel, Übernutzung der Kranichlebensräume durch Viehbeweidung bedrohen den frabenfrohen Kronenkranich in seinem Bestand. Der NABU unterstützt die Ausbildung und Fortbildung von einheimischen Naturschützern, und erklärt Beringung und Besenderung von Kranichen.

 

Im westfarikanischen Nigeria und der Elfenbeinküste arbeitet der NABU mit Einheimischen im AfriBirds Projekt zusammen. Dabei wird durch Vogelmonitoring die Qualität von Bio-sphärenreservaten bewertet und der Schutz von eurasisch-paläarktischen Zugvögeln gefördert.

 

In Rwanda arbeitet der NABU mit der Rwanda Wildlife Conservation Assesoation (RWCA) für den Kranichschutz zusammen und in Tanzania mit dem Partner Nature Tanzania im Storchenschutz. Ziel all dieser Projekte ist der Aufbau einheimischer Naturschützer und der Schutz von Flora und Fauna.

 

Mindestens drei bis vier Ranger sterben jedes Jahr in Kenia bei ihrer Arbeit zum Schutz der Natur. Ursachen sind wilde Tiere, Wilderer oder Naturereignisse. Die NABU International Naturschutzstiftung arbeitet seit 2014 eng mit dem staatlichen Kenya Wildlife Service zusammen, und unterstützt die Familien von getöteten Rangern durch die Finanzierung der Ausbildung ihrer Töchter oder Söhne.

 

Die globalen Naturschätze afrikanischer Länder können nicht nur den armen Nationalstaaten überlassen werden. Internationale Solidarität für unser gemeinsames Naturerbe ist notwendiger denn je.

 

Alle Bilder:  NABU / Werner Schröder


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